Marktstudie

Zwei GEO-Werte, ein Messproblem

Warum 66,2 % und 85 % kein Widerspruch sind

Zwei Personen vermessen denselben Gegenstand mit unterschiedlichen Messgeräten und kommen zu verschiedenen Ergebnissen, als Sinnbild für zwei GEO-Studien, die dieselbe Frage nach den Quellen von KI-Antworten unterschiedlich messen.

Die blinq-Studie „LLM-Quellen 2026“ (22.07.2026) und der AirOps-Report „The Influence of Offsite Signals in AI Search“ (17.10.2025) beleuchten unterschiedliche Teile derselben Frage: Welche Quellen werden in KI-Antworten zitiert und aus welchen Quellen stammen Markenerwähnungen bei kommerziellen Anbieterfragen?

blinq ordnet 66,2 % der in seiner Analyse zitierten Quellen als Corporate Content ein. AirOps ordnet 85 % der Markenerwähnungen in seiner Stichprobe kommerzieller Discovery-Anfragen Drittquellen zu. Das ist kein Widerspruch: Die Studien messen unterschiedliche Einheiten.

Kurzantwort

  • blinq (2026) hat 250.000 LLM-Antworten auf rund 2.000 Prompts ausgewertet und die zitierten Quellen klassifiziert. Ergebnis: 66,2 % entfallen auf Unternehmens-Content. (blinq GmbH, „LLM-Quellen 2026“, 22.07.2026, Erhebungszeitraum 01.01. bis 30.06.2026)
  • AirOps (2025) hat 21.311 Markenerwähnungen aus über 500 kommerziellen Discovery-Anfragen klassifiziert. Ergebnis: 85 % stammen von fremden Domains, 13,2 % von der Domain der genannten Marke. (AirOps / Oshen Davidson, 17.10.2025)
  • Für Ihre Marketingentscheidung zählen vier Unterschiede: Zähleinheit, Fragetyp, Sprachraum und Klassifikationslogik.
  • Ihre Konsequenz: Nutzen Sie Branchenwerte zur Einordnung, nicht zur Budget- oder Kanalplanung. Prüfen Sie stattdessen die Quellen hinter Ihren relevanten Kundenfragen und ob Ihre Marke dort korrekt und im Vergleich zum Wettbewerb sichtbar ist.

METHODIK

Was die beiden Studien jeweils gemessen haben

Beide Studien stammen von Anbietern, die in diesem Markt selbst Produkte oder Dienstleistungen verkaufen. Nutzen Sie die Zahlen daher als Orientierung und prüfen Sie die Quellenlage für Ihre Kategorie selbst.

blinq GmbHAirOps
Titel „LLM-Quellen 2026: Diese Seiten zitieren ChatGPT & Co.“„The Influence of Offsite Signals in AI Search“
Veröffentlicht 22.07.202617.10.2025
Datenbasis 250.000 LLM-Antworten auf rund 2.000 Prompts21.311 Markenerwähnungen aus über 500 Anfragen
Zeitraum 01.01. bis 30.06.2026nicht ausgewiesen
Systeme ChatGPT, Google AI Overviews, PerplexityGPT-5, Claude Sonnet 4.5, Perplexity Sonar
Fragetypen Top- und Mid-Funnel, B2B und B2C gleichverteiltausschließlich kommerzielle Discovery-Anfragen
Zähleinheit zitierte QuelleMarkenerwähnung und ihre Herkunft
Sprachraum erkennbar deutschsprachig (welt.de, Handelsblatt, chip.de, kununu.com unter den Topquellen)nicht ausgewiesen, Kategorien und Beispiele legen englischsprachiges B2B-SaaS nahe

Quellen: blinq GmbH, „LLM-Quellen 2026“, 22.07.2026, theblinq.de/llm-quellen-studie · AirOps / Oshen Davidson, „The Influence of Offsite Signals in AI Search“, 17.10.2025, airops.com/report/the-influence-of-offsite-signals-in-ai-search

Gegenüberstellung der Messdesigns zweier GEO-Studien: blinq zählt zitierte Quellen aus 250.000 KI-Antworten, AirOps zählt 21.311 Markenerwähnungen aus kommerziellen Discovery-Anfragen, mit unterschiedlicher Zähleinheit, Fragetyp und Sprachraum.

EINORDNUNG

Warum 66,2 % und 85 % kein Widerspruch sind

Für Ihre Planung lassen sich die Werte nicht direkt vergleichen. Sie beruhen auf vier unterschiedlichen Messbedingungen:

1. Es wird etwas anderes gezählt. blinq zählt Quellen, AirOps Markenerwähnungen. Eine informative KI-Antwort kann Quellen nennen, ohne eine Marke zu empfehlen.

2. Die Fragen sind anders. AirOps untersucht Anbieterfragen. blinq mischt Informations- und Entscheidungsfragen. Bei einer Sachfrage ist Ihre Website eher Quelle; bei einer Anbieterfrage zählen oft Vergleichsseiten.

3. Die Märkte unterscheiden sich. blinq bildet erkennbar den deutschsprachigen Raum ab. AirOps deutet auf englischsprachiges B2B-SaaS hin. Übertragen Sie die Werte deshalb nicht ungeprüft auf Ihren Markt.

4. Die Kategorien meinen nicht dasselbe. Bei blinq ist „Corporate Content“ ein Quellentyp. Bei AirOps bedeutet „First-Party“: Die Quelle gehört der genannten Marke. Die veröffentlichten Studien legen ihre Klassifikationsregeln nicht vollständig offen; für die Einordnung liegt aber nahe: Der Blog eines Wettbewerbers kann bei blinq als Unternehmens-Content und bei AirOps als Third-Party-Quelle gelten.

Für Sie ist das die zentrale Frage: Nicht nur ob Unternehmens-Content zählt, sondern wessen Content Ihre Zielgruppe in KI-Antworten sichtbar macht.

BEFUNDE

Was beide Studien übereinstimmend zeigen

Drei Muster sind für Ihre Marketingarbeit belastbarer als die einzelnen Prozentwerte:

Vergleichs- und Bewertungsinhalte sind eine eigene Quellenklasse. Bei AirOps stammen rund 90 % der Third-Party-Erwähnungen aus Listicles, Vergleichsartikeln oder Reviews (AirOps, 17.10.2025, n = 21.311 Markenerwähnungen). blinq führt omr.com, test.de und kununu.com unter den wichtigsten Quellenkategorien und nennt für B2B g2.com und kununu.com, für B2C check24.de, idealo.de und verivox.de (blinq, 22.07.2026).

Die Quellenlandschaft unterscheidet sich je System. Bei AirOps tauchten 68 % der erwähnten Marken nur auf einer der drei getesteten Plattformen auf; je Modell waren zwischen 37 % und 52 % der genannten Marken exklusiv (AirOps, 17.10.2025). blinq weist für ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity unterschiedliche Topquellen aus. Unter anderem taucht youtube.com bei Google AI Overviews auf Platz 1 auf und bei ChatGPT kam es nicht unter die Topquellen (blinq, 22.07.2026).

Die Quellenlandschaft verändert sich rasant. blinq gibt an, dass LinkedIn in der eigenen Februar-Auswertung 2026 noch nicht in den Topquellen auftauchte, im aktuellen Datensatz aber bei allen drei Systemen dazugehört (blinq, 22.07.2026). Das ist ein Hinweis darauf, dass Quellenprofile regelmäßig überprüft werden sollten.

PRAXIS

Was Sie daraus für Ihr eigenes GEO-Marketing ableiten können

  • Priorisieren Sie nicht nach Branchenwerten. Die Studien decken breite Prompt-Sets und mehrere Branchen ab. Für Ihre Kategorie kann die Quellenverteilung anders aussehen. Nutzen Sie die Zahlen, um die richtigen Fragen zu stellen.
  • Analysieren Sie Quellen, nicht nur Antworten. Wenn Sie mit Ihrem Team ein Monitoring starten, zählen Sie nicht nur die Antworten. Erfassen Sie auch, welche URLs für die KI-Antwort herangezogen wurden. Daraus lässt sich ableiten, wie die KI zu ihrer Entscheidung kommt.
  • Trennen Sie Präsenz und Position. Prüfen Sie, ob Ihre Marke in relevanten Quellen vorkommt und an welcher Stelle. AirOps beobachtete, dass die in Drittquellen erwähnten Marken in rund 80 % der Fälle unter den ersten drei Anbietern eines Listicle-, Vergleichs- oder Review-Inhalts standen.
  • Betrachten Sie jedes KI-System separat. Ein Mittelwert über ChatGPT, Google AI Overviews, Gemini, Microsoft Copilot und Claude verdeckt relevante Unterschiede. Bewerten Sie Ihre Sichtbarkeit je System.
  • Schärfen Sie Ihren Content. Eindeutige Informationen sind gefragt. Produkt-, Preis- und Faktenseiten liefern konkrete Angaben, die KI-Systeme prüfen können. Sorgen Sie dafür, dass diese Angaben auf Ihrer Website, in externen Profilen und in Verzeichnissseiten konsistent sind.
  • Messen Sie wiederholt. Quellenprofile ändern sich innerhalb weniger Monate. Planen Sie für Ihr Team einen regelmäßigen Rhythmus ein; für die meisten Kategorien ist ein Quartal ein guter Startpunkt.

BEGRIFF

Competitive Source Gap: ein Begriff, der die Diagnose brauchbar macht

Ein Competitive Source Gap ist Ihre Liste relevanter Quellen, in denen ein Wettbewerber vorkommt und Ihre Marke fehlt oder schlechter positioniert ist.

Damit wird aus „Unsere KI-Sichtbarkeit ist zu niedrig“ eine konkrete Empfehlung: Starten Sie mit einem Listen-Landschafts-Audit. Identifizieren Sie die Vergleichsartikel und Listen hinter Ihren wichtigsten Anbieterfragen, prüfen Sie Ihre Präsenz und Position gegenüber dem Wettbewerb und priorisieren Sie die erreichbaren Quellen.

Darauf folgt gezielter Outreach an Dritt-Listen, um relevante Lücken zu schließen. Ob eine einzelne Maßnahme Ihre Sichtbarkeit erhöht hat, zeigt die Wiederholungsmessung. Die Studien beschreiben Zusammenhänge, keine Kausalität.

Matrix zum Competitive Source Gap: Für acht relevante Quellen einer Produktkategorie ist markiert, in welchen die eigene Marke und in welchen der Wettbewerber vorkommt, drei Quellen bleiben als Lücke der eigenen Marke sichtbar.

EINORDNUNG

Wofür diese Zahlen keine Aussage liefern

  • Kein Wirkungsnachweis. Eine zusätzliche Erwähnung führt nicht automatisch zu einer Markennennung in KI-Antworten. Prüfen Sie die Wirkung Ihrer Maßnahmen deshalb selbst.
  • Keine allgemeingültigen Benchmarks. Die Daten decken nicht jede Branche und jeden Markt ab.
  • Begrenzte Prüfbarkeit. Prompt-Kataloge, Rohdaten und Klassifikationsregeln sind nicht vollständig veröffentlicht.
  • Momentaufnahme. Modelle und Quellenlandschaften ändern sich schnell.
  • Eigeninteresse. Alle beteiligten Anbieter verkaufen Leistungen in diesem Markt. Lesen Sie die Ergebnisse entsprechend.

Häufige Fragen

Widersprechen sich die blinq-Studie und der AirOps-Report?

Nein. blinq klassifiziert zitierte Quellen und findet 66,2 % Corporate Content. AirOps klassifiziert Markenerwähnungen nach Herkunft und findet 85 % auf fremden Domains. Unterschiedliche Zähleinheiten führen zu unterschiedlichen Prozentwerten für unterschiedliche Fragen.

Was bedeutet First-Party in der KI-Suche?

First-Party bezeichnet eine Quelle, die auf der Domain der Marke liegt, die in der KI-Antwort genannt wird. Third-Party bezeichnet jede fremde Domain, auch dann, wenn es sich um die Unternehmenswebsite eines anderen Unternehmens handelt.

Welche Quellen zitieren ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity am häufigsten?

Laut blinq-Studie führen im Gesamtdatensatz youtube.com mit 15,18 %, reddit.com mit 14,55 %, wikipedia.org mit 9,05 % und linkedin.com mit 7,12 %. Die Verteilung unterscheidet sich je System deutlich; youtube.com steht bei Google AI Overviews an erster Stelle und taucht bei ChatGPT nicht unter den Topquellen auf. (blinq, 22.07.2026)

Ist die eigene Website für GEO noch relevant?

Ja. Bei AirOps entfielen 19,3 % der First-Party-Erwähnungen auf Produktseiten und 7,1 % auf Homepages. Die Studie zeigt damit, dass eigene Produkt- und Startseiten in den untersuchten Discovery-Antworten weiterhin als Quellen vorkommen; zugleich entfiel der größere Anteil der Markenerwähnungen auf Drittquellen.

Wie oft sollte KI-Sichtbarkeit gemessen werden?

Beide Studien dokumentieren Verschiebungen innerhalb weniger Monate, unter anderem den Aufstieg von linkedin.com in blinqs Datensatz zwischen Februar und Juli 2026. Ein Quartalsrhythmus ist für die meisten Kategorien ein sinnvoller Ausgangspunkt.

Quellen

  1. blinq GmbH (22.07.2026): LLM-Quellen 2026: Diese Seiten zitieren ChatGPT & Co. theblinq.de/llm-quellen-studie (abgerufen 19.08.2026)
  2. AirOps / Davidson, Oshen (17.10.2025): The Influence of Offsite Signals in AI Search. airops.com/report/the-influence-of-offsite-signals-in-ai-search (abgerufen 19.08.2026)

So beginnt die Zusammenarbeit

Der erste Schritt ist immer die Messung.

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